⌕
Karte
← Zurück

GTA 6 Entwicklung: Warum acht Jahre, und was offenbleibt

Eddy Hanné15.10.2026, 12:00 Uhr||Aktualisiert: 16.10.2026, 12:18 Uhr
GTA 6 Entwicklung: Warum acht Jahre, und was offenbleibt
Bild: Rockstar

Bloomberg-Reporter Jason Schreier hat Rockstar North in Edinburgh besucht, und sein Bericht vom 14. Oktober erklärt, warum zwischen GTA 5 und GTA 6 so viel Zeit verging.

Auf einen Blick
  • GTA 6 begann 2015 als Project Americas und sollte Teile von Nord- und Südamerika zeigen, bevor es auf Miami und Umgebung schrumpfte.
  • Die Entwicklung dauerte laut Bloomberg acht Jahre. Red Dead Redemption 2 band zuerst alle Kräfte, danach bremsten Corona, Abgänge und ein Studio, das sich von rund 2.400 auf 4.700 Leute verdoppelte.
  • Take-Two-Chef Zelnick reagierte auf die zweite Verschiebung laut Publishing-Chefin Jennifer Kolbe mit: Bitte sag mir, dass du Witze machst.
  • Das nächste Rockstar-Spiel soll nicht wieder acht Jahre dauern, sagen die Entwicklungschefs.
  • Phil Hooker erzählt von einem Playtest, bei dem er auf dem Weg zu einer Story-Mission zwei Stunden lang bei Nebenaktivitäten hängen blieb.

Der Bericht stützt sich auf einen Besuch in Edinburgh und Gespräche mit der Führungsriege von Rockstar. Das Original liegt bei Bloomberg hinter einer Bezahlschranke. Wir geben deshalb wieder, was GamesRadar, IGN, VGC, PC Gamer, Push Square und GameStar daraus zitieren. Dazu kommt die Erklärung, die Schreier in einem Video von Bloomberg Tech selbst gibt.

Project Americas: Erst sollte es größer werden

Rob Nelson, Co-Studiochef von Rockstar North, bestätigt Bloomberg zufolge, dass 2015 eine Gruppe Mitarbeiter zur ersten Recherchereise für GTA 6 nach Miami flog. Das Spiel trug damals den Codenamen Project Americas und sollte Teile von Nord- und Südamerika abbilden, schreibt GamesRadar. Es sollte parallel zu Red Dead Redemption 2 bei Rockstar San Diego entstehen. Als der Western immer größer wurde, brauchte Rockstar alle Kräfte dafür und stellte GTA 6 für mehrere Jahre zurück. Was dabei gebaut wurde, werde sich im neuen Spiel auszahlen, sagt Nelson laut GamesRadar.

Aus dem Plan wurde Miami und die Umgebung, also Vice City und Leonida. GameStar erinnert an ein altes Gerücht: Schon 2019 hatte ein angeblicher Insider auf Reddit behauptet, GTA 6 laufe unter dem Namen Project Americas und spiele in Vice City und einem Gebiet nach dem Vorbild von Rio de Janeiro. Das passe überraschend gut zu Schreiers Bericht, schreibt GameStar, wie weit die Pläne gediehen, wisse man aber nicht.

Ein grüner Supersportwagen mit dem Schriftzug GRANPO am Heck, darüber ein Polizeihubschrauber mit Suchscheinwerfer, rechts Neonfassaden im Stil von Ocean Drive. Das Kennzeichen zeigt Leonida und Goodtime State. Bild: Rockstar Games, Bloomberg
Ein grüner Supersportwagen mit dem Schriftzug GRANPO am Heck, darüber ein Polizeihubschrauber mit Suchscheinwerfer, rechts Neonfassaden im Stil von Ocean Drive. Das Kennzeichen zeigt Leonida und Goodtime State. Bild: Rockstar Games, Bloomberg
WannWasBeleg
2015Erste Recherchereise nach Miami, Codename Project AmericasGamesRadar
bis 2018Red Dead Redemption 2 bindet die Kräfte, GTA 6 ruhtIGN, GameStar
Ende 2019Gerüst der Geschichte um Jason und Lucia stehtIGN, GameStar
2020Pandemie hält die Teams zu HauseGameStar, Schreier
Herbst 2025 auf Mai 2026Erste VerschiebungGamesRadar
Mai 2026 auf November 2026Zweite VerschiebungGamesRadar
19. November 2026ReleaseRockstar

Warum acht Jahre und nicht 13

GameStar fasst Schreiers Befund so zusammen: Die reine Entwicklungszeit betrug acht Jahre, denn nach GTA 5 war das Studio erst mit Red Dead Redemption 2 beschäftigt. In dem Bloomberg-Video nennt Schreier mehrere Bremsen. Die Pandemie früh in der Produktion koste ein bis zwei Jahre. Die Vision für das Spiel war lange unklar, Schlüsselpersonen gingen. Und Rockstar wuchs von rund 2.400 auf 4.700 Beschäftigte, das bringe viel Inhalt, aber auch viele Abstimmungsprobleme. IGN ergänzt, dass es bis Ende 2019 dauerte, bis die Geschichte ein Gerüst hatte.

Ein Grund war die Menge an Passanten. Nelson sagt laut PC Gamer, die Prognosen, wie viele NPCs Leonida brauche, seien "erschreckend" gewesen. Rockstar richtete dafür ein eigenes Studio in Los Angeles ein, das wir in unserem Artikel zu den Passanten beschrieben haben. Co-Chef Phil Hooker begründet damit auch die Verschiebung:

Als klar wurde, dass einige Bereiche es nicht schaffen würden, haben wir uns für die Verschiebung des Termins entschieden. Wir hätten diesen Termin halten können, aber es wäre nicht das Spiel geworden, das wir machen wollen.
Phil Hooker, Rockstar, laut PC Gamer
I think when it became apparent that some areas weren't going to make it, that's when we decided to make the shift of date. We could hit that schedule, but it won't be the game we want to make.

Zwei Verschiebungen und ein Anruf

Die Verschiebungen erklärt Jennifer Kolbe, Rockstars Chefin des Publishings. Sie musste Strauss Zelnick, den Chef von Take-Two, zweimal anrufen. Erst ging es laut GamesRadar um die Verschiebung von Herbst 2025 auf Mai 2026, dann von Mai auf November. Beim zweiten Mal habe er schwer an der Nachricht geschluckt.

Ich glaube, er sagte: Du machst Witze. Bitte sag mir, dass du Witze machst. Aber als wir erklärt hatten, warum, hat er es verstanden.
Jennifer Kolbe, Rockstar, laut GamesRadar
I think he said, 'You're kidding. Please tell me you're kidding'. Once we talked through why, he got it.

Mehr zu den Terminen und zur Frage, was ihn noch kippen könnte, steht in unserem Artikel zur Verschiebung.

Crunch: Nicht noch einmal so

Nach Red Dead Redemption 2 hätten sich die Verantwortlichen vorgenommen, es diesmal anders zu machen, sagt Kolbe laut GamesRadar. Rockstar führte bezahlte freie Zeit für Mehrarbeit ein, teils auch mehr Geld.

Wir haben uns alle angesehen und gesagt: So machen wir das nicht noch einmal. Ich habe gesagt, wir werden dieses Spiel nicht durch Crunch fertigstellen.
Jennifer Kolbe, Rockstar, laut GamesRadar
We all looked at each other and said, 'We're not doing it again like this.' I said, 'We're not going to finish this game by crunching.'

Perfekt sei es nicht gelaufen, räumt Kolbe ein, aber besser als bei Red Dead 2. GamesRadar erinnert daran, dass Beschäftigte im Juli behauptet hatten, Crunch sei im Studio so verbreitet, dass er in Verträgen stehe und man ihn abwählen müsse. Ein weiterer Streitpunkt ist das Büro: Nach dem Leak von 2022 hat Rockstar das Arbeiten von zu Hause eingeschränkt. Laut Schreier müssen die Leute fünf Tage die Woche ins Büro und können sich nicht einmal aus der Ferne einloggen, bis heute ein umstrittener Punkt im Studio.

Kosten: keine Zahl, aber nicht über 1,5 Milliarden

Wie viel GTA 6 gekostet hat, sagt Rockstar weiter nicht. Kolbe hat laut GamesRadar aber die Vermutung zurückgewiesen, es seien mehr als 1,5 Milliarden Dollar gewesen. Diese Zahl geht auf eine Schätzung des Analysten Michael Pachter vom vergangenen Jahr zurück. Dass das Spiel trotzdem eines der teuersten überhaupt sein dürfte, schreibt GamesRadar selbst. Summen von zwei Milliarden und mehr, die in Videos kursieren, belegt der Bericht nicht.

Das nächste Rockstar-Spiel soll schneller kommen

Hooker und Aaron Garbut, die beiden anderen Entwicklungschefs neben Nelson, versprechen Bloomberg zufolge, dass die Wartezeit auf das nächste Spiel kürzer wird. Die Technik und das Team von GTA 6 blieben erhalten.

Die Engine, die Werkzeuge und das Team, die wir in diesem Projekt aufgebaut haben, erlauben uns, Dinge schneller zu tun. Ich bin sicher, dass wir darauf aufbauen und eher in die Breite als in die Höhe gehen können.
Phil Hooker, Rockstar, laut VGC
The engine, the tools and the team we've built during this project will allow us to do things more quickly. I feel confident that we can build on top of this and go more sideways than upwards to build more compelling content.

Garbut ergänzt laut VGC: Man habe vieles grundlegend verändert, und das reiße man jetzt nicht wieder auseinander. Bloomberg vergleicht das nach VGC mit Vice City, das ein Jahr nach GTA 3 erschien, weil dessen Grundlage schon stand. VGC betont, dass nichts darauf hindeutet, das nächste Spiel komme annähernd so schnell. Welches Spiel das ist, sagt niemand.

Kleinigkeiten am Rand

Schreier berichtet im Video von einem System, das Figuren je nach Anstrengung unterschiedlich stark schwitzen lässt, beim Tanzen im Club etwa mehr als im Stand. GamesRadar zitiert ihn damit als Beispiel für den Detailgrad. Zur Recherche in Miami schreibt Push Square, das Team sei mit der Polizei zu Brennpunkten gefahren, aus Hubschraubern gelehnt und durch die Menge in den angesagtesten Clubs gelaufen, um das Licht zu beurteilen. "Und jetzt verstehst du, warum es so lange gedauert hat", sagt Kolbe dazu.

Jason und Lucia, beide mit Schlamm bedeckt, lehnen an einem dunkelroten Pick-up mit Walton-Badge, im Hintergrund ein Banner mit dem Namen Tuckers. Bild: Rockstar Games, Bloomberg
Jason und Lucia, beide mit Schlamm bedeckt, lehnen an einem dunkelroten Pick-up mit Walton-Badge, im Hintergrund ein Banner mit dem Namen Tuckers. Bild: Rockstar Games, Bloomberg

Die Leaks beschreibt Garbut laut GamesRadar als Eingriff in etwas Privates.

Es fühlt sich an, als würde jemand in deiner schmutzigen Wäsche wühlen. Es ist, als wären sie in deinem Kopf.
Aaron Garbut, Rockstar, laut GamesRadar
It feels like somebody's wading through your dirty washing. It's like they're inside your head.

Wer hinter dem aktuellen Leak steckt und wie er sich am 14. Oktober zurückgezogen hat, steht in unserem Hub Wer ist Cyberleek?.

Hookers Playtest: zwei Stunden vom Auftrag abgekommen

Aus dem Gespräch mit Schreier stammt eine Anekdote, die GameStar und GamePro aufgegriffen haben. Phil Hooker sollte in der späten Entwicklung einen Build testen und als Jason zu einer Story-Mission fahren. Unterwegs rammte er ein Auto, der Fahrer rammte zurück und ging auf ihn los. Hooker flüchtete in einen Kiosk und bediente sich an den Waren, weil niemand an der Kasse stand. Die Polizei hängte sich an ihn, er wechselte das Auto, folgte einem NPC-Wagen zu einem Gelände mit Wertgegenständen, nahm sie mit und suchte einen Hehler. Zwei Stunden später sei er weit von der eigentlichen Mission entfernt gewesen, berichten GameStar und GamePro.

Hooker erinnert sich laut den Portalen gern daran: Alle seien beflügelt aus der Besprechung gekommen, trotz aller Zweifel in einer solchen Phase. Das Team habe dort gemerkt, dass es etwas Besonderes hat, wenn es seinen Kurs hält. Beleg für ein bestimmtes System ist die Geschichte nicht, sie zeigt aber, was Rockstar mit der offenen Welt erreichen will: Der Spieler soll vom Auftrag abkommen und es nicht bereuen.

Unsere Einschätzung

Der Bericht räumt mit der Zahl 13 auf: Acht Jahre Produktion, ein Teil davon gebremst durch ein anderes Spiel, das ist eine andere Geschichte als 13 Jahre Stillstand. Neu ist vor allem, wie offen Rockstar über Fehlplanung spricht. Eine Verschiebung wegen des Umfangs der Passanten und der Satz, man hätte den Termin halten können, ist ein ungewöhnliches Eingeständnis für ein Studio, das sonst schweigt. Für die Frage, ob GTA 6 am 19. November kommt, ändert das nichts. Offen bleiben die Kosten und alles, was Online betrifft. Dazu steht in dem, was wir lesen konnten, kein Wort.

Wie lange wurde an GTA 6 entwickelt? Laut Bloomberg acht Jahre. Die Wartezeit seit GTA 5 beträgt 13 Jahre, weil Rockstar nach GTA 5 zuerst Red Dead Redemption 2 fertigstellte.

Was war Project Americas? Der frühe Codename von GTA 6. Das Spiel sollte laut Rob Nelson Teile von Nord- und Südamerika zeigen, wurde dann aber auf Miami und die Umgebung verkleinert. Die erste Recherchereise nach Miami war 2015.

Hat GTA 6 1,5 Milliarden Dollar gekostet? Rockstar nennt keine Zahl, hat aber laut GamesRadar zurückgewiesen, dass es mehr als 1,5 Milliarden Dollar waren. Die Zahl stammt aus einer Schätzung des Analysten Michael Pachter.

Wann kommt das nächste Rockstar-Spiel? Dazu gibt es kein Datum und keinen Titel. Die Entwicklungschefs versprechen nur, dass es nicht wieder acht Jahre dauert.

Hinweis: Vor Release beruhen viele Angaben auf Leaks, Trailern und Gerüchten und sind nicht offiziell bestätigt.

Dazu in der Datenbank
Alle 11 Rubriken der Datenbank →

Mehr Artikel