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Rockstar zu GTA 6: ein ganzes Studio nur für Passanten

Eddy Hanné27.08.2026, 10:58 Uhr||Aktualisiert: 31.08.2026, 14:34 Uhr
Rockstar zu GTA 6: ein ganzes Studio nur für Passanten
Bild: Rockstar

Einen Tag vor dem Extended Look hat Rockstar geredet, und zwar nicht mit einem Spielemagazin. Das Interview verrät mehr über den Bau des Spiels als jeder Trailer.

Am 26. August 2026 erschien im Modemagazin Dazed ein langes Gespräch mit mehreren Führungskräften von Rockstar, darunter Rob Nelson, Head of Development und Co-Studio-Head bei Rockstar North. Es ist die erste ausführliche Selbstauskunft zur Entwicklung von GTA 6, und sie kam einen Tag vor der Präsentation auf Netflix.

Fünf Redaktionen haben das Gespräch am selben Tag aufgegriffen, unter anderem GamesRadar, PC Gamer, Insider Gaming und Dexerto. Die spielerischen Neuigkeiten daraus führen wir getrennt: Was Rockstar zum Körper- und Fitness-System gesagt hat, steht dort, das Detail zum Wechsel zwischen Jason und Lucia dort. Hier geht es um die Werkstatt dahinter.

Mehr als doppelt so groß wie zu Red Dead 2

Die Zahl, die am meisten sagt: Rockstar hat sich seit Red Dead Redemption 2 aus dem Jahr 2018 mehr als verdoppelt. GamesRadar hebt das als Kernbefund des Gesprächs hervor. Ein Studio, das für sein letztes großes Spiel schon als riesig galt, ist für dieses noch einmal in eine andere Größenordnung gewachsen.

Das erklärt einen Teil der langen Entwicklungszeit, über die Rockstar sich in seiner Erklärung vom 26. August selbst entschuldigt hat. Ein Team zu verdoppeln kostet Zeit, bevor es Zeit spart. Wer schon einmal in einem wachsenden Betrieb gearbeitet hat, kennt den Effekt.

Ein Standort in Los Angeles, fast nur für Passanten

Der auffälligste Einzelbefund steckt in der Struktur. Zum Netz der Rockstar-Standorte gehört inzwischen einer in Los Angeles, der laut Dazed „dedicated almost solely" an den Passanten von GTA 6 arbeitet, also fast ausschließlich an den Leuten auf der Straße.

Das ist eine bemerkenswerte Zuordnung. Passanten sind in Open-World-Spielen traditionell Kulisse, ein Vorrat aus zwei Dutzend Modellen, der die Straße füllt. Ein eigener Standort dafür bedeutet, dass Rockstar sie als eigenes System behandelt und nicht als Textur.

Konkret wird das in der Beschreibung der Bevölkerung von Leonida. Sie unterscheidet sich laut Dazed in Alter, Körpergröße, Körperbau, Tätowierungen, Piercings, Schönheitsoperationen und Kleidungsstil. Dazu sollen die Figuren natürlicher aussehen, sich natürlicher bewegen und natürlicher reagieren.

Wer wissen will, wie viele davon gleichzeitig auf dem Bildschirm stehen können, findet die gemessenen Zahlen aus dem Leak-Material in unserem Artikel zur NPC-Dichte. Die dort beschriebene Menge und die hier beschriebene Vielfalt sind zwei verschiedene Dinge, und beide zusammen ergeben erst das Bild.

Fachleute von außen: Fahrer und Straßenkünstler

Rockstar hat für einzelne Bereiche Leute geholt, die nicht aus der Spielebranche kommen. Genannt werden professionelle Fahrer, die zu den Autos beraten haben, und Straßenkünstler für die Wandbilder. Das passt zu einem Fund aus dem Leak-Material: Im Clip vom 26. August stehen im Viertel Stockyard Leitern und Malerzeug an einer Hauswand, als würde dort gerade ein Wandbild entstehen.

Stockyard ist im Spiel das Gegenstück zu Wynwood in Miami, einem Viertel, das weltweit für Straßenkunst bekannt ist. Echte Künstler dafür zu holen ist damit weniger Marketing als Recherche.

Der Satz, auf den es ankommt

Was wir an diesem Medium lieben, ist die Art, wie diese Figuren keine leeren Hüllen sind, mit denen man alles machen kann. Ihre Geschichte wird eine Reise, die man mit ihnen teilt.
Rob Nelson, Head of Development und Co-Studio-Head bei Rockstar North, gegenüber Dazed
The thing we love about this medium is the way these characters aren't empty avatars that you can do whatever you want with. Their story becomes a journey you share with them.

Das ist keine Floskel, sondern die Begründung für die Systeme, die im selben Gespräch bestätigt wurden. Wenn Essen, Sport und Schlaf sichtbare Folgen haben, ist die Figur kein Werkzeug mehr, sondern eine Person mit Zustand. Insider Gaming zieht daraus den Schluss, dass Spieler zweimal überlegen könnten, bevor sie durch Leonida randalieren.

Meiner Einschätzung nach ist das der eigentliche Bruch mit GTA 5. Dort war der Protagonist ein Griff, mit dem man die Welt bedient. Hier soll er zurückschauen. Ob das im Spiel trägt oder nach zehn Stunden zur Buchhaltung wird, entscheidet sich an der Ausführung, nicht an der Absicht.

Warum ein Modemagazin

Die Wahl der Bühne gehört zur Nachricht. Rockstar hat dieses Gespräch nicht IGN gegeben und nicht GameSpot, sondern Dazed, einem britischen Magazin für Mode und Popkultur. Das ist dieselbe Logik wie beim Extended Look auf Netflix, den Take-Two-Chef Strauss Zelnick ausdrücklich mit Leuten begründet hat, die Spiele nicht verfolgen.

Rockstars Teaser vom 6. August. Das Dazed-Gespräch erschien einen Tag vor der Präsentation, für die er wirbt.

Beide Entscheidungen zeigen in dieselbe Richtung: GTA 6 wird nicht als Spiel für Spieler vermarktet, sondern als Ereignis für alle. Für die Berichterstattung heißt das, dass die interessanten Informationen künftig auch dort auftauchen, wo man sie nicht sucht.

Jetzt gibt es eine Zahl dazu

Was das eigene NPC-Team tatsächlich produziert hat, steht seit Ende August fest. Aaron Garbut, Mitgründer von Rockstar North, hat der New York Times gesagt, dass GTA 6 über zehnmal so viele einzigartige Animationen hat wie GTA 5. PC Gamer und TechRadar haben die Passage aufgegriffen.

SpielEinzigartige Animationen
GTA 5 (2013)rund 55.000
Red Dead Redemption 2 (2018)rund 300.000
GTA 6über 600.000

Die Zahlen für die beiden älteren Spiele sind Vergleichswerte aus der Berichterstattung, Rockstars eigene Angabe ist der Faktor zehn gegenüber GTA 5.

Der technische Teil dahinter ist der interessantere. In GTA 5 mussten Passanten unterschiedlicher Größe dieselbe Animation teilen, was beim Einsteigen ins Auto oder im Nahkampf sichtbar hakte. GTA 6 passt die Bewegung in Echtzeit an Körpergröße und Statur der jeweiligen Figur an. Genau darauf zielt auch Ned Lukes Bemerkung, in GTA 5 seien die Beine der Figuren nie ganz gerade gewesen.

Für ein Spiel, dessen Straßen laut Rockstar deutlich voller sind als in GTA 5, ist das die Voraussetzung. Hundert Menschen in einem Nachtclub fallen nur dann nicht auf, wenn keine zwei davon gleich stehen.

Was hat Rockstar dem Magazin Dazed gesagt? Mehrere Führungskräfte, darunter Rob Nelson von Rockstar North, haben am 26. August 2026 über die Entwicklung von GTA 6 gesprochen. Bestätigt wurden dabei ein Körpersystem mit sichtbaren Folgen, der Wechsel zwischen Jason und Lucia, deutlich detailliertere Passanten und ein Social-Media-System im Spieltelefon.

Wie groß ist Rockstar Games inzwischen? Eine Beschäftigtenzahl nennt Rockstar nicht. Gesagt ist nur, dass sich das Studio seit Red Dead Redemption 2 von 2018 mehr als verdoppelt hat. Dazu kommt ein Standort in Los Angeles, der fast ausschließlich an den Passanten von GTA 6 arbeitet.

Warum arbeitet ein ganzes Studio an NPCs? Weil Rockstar die Passanten als eigenes System behandelt und nicht als Kulisse. Die Bevölkerung von Leonida soll sich in Alter, Größe, Körperbau, Tätowierungen, Piercings, Schönheitsoperationen und Kleidung unterscheiden und natürlicher reagieren als in früheren Teilen.

Ist das offiziell oder ein Leak? Offiziell. Es handelt sich um ein Interview, das Rockstar selbst gegeben hat, veröffentlicht bei Dazed und von mehreren Redaktionen aufgegriffen. Es hat nichts mit der Leak-Serie zu tun, die seit dem 18. August läuft.

Hinweis: Vor Release beruhen viele Angaben auf Leaks, Trailern und Gerüchten und sind nicht offiziell bestätigt.

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