GTA 6 Kritik: Jasons Stimme ist der größte Streitpunkt
Die Reaktionen auf den Extended Look sind überwiegend euphorisch, und trotzdem hat sich binnen eines Tages an vier Punkten eine ernstzunehmende Kritik gebildet.
- Der meistdiskutierte Punkt ist Jasons Sprecher. Vielen klingt er zu flach für die Figur.
- Der fehlende First-Person-Modus stört laut Beebom weniger Leute als die Stimme.
- Die 30 Bilder pro Sekunde sind kein Gerücht, sondern die Zielmarke von Rockstar.
- Fahrverhalten und Minikarte sind Geschmackssache und werden es bis zum Release bleiben.
Vorweg gehört die Größenordnung dazu. Die Präsentation hat Netflix kurzzeitig lahmgelegt und danach Twitch, IGN nennt die Reaktionen mind-blowingly good, und selbst die Kritiker schreiben ihre Einwände unter die Feststellung, dass es das bestaussehende Spiel des Jahres ist. Was hier steht, ist Kritik auf hohem Niveau.
Die vollständige Präsentation. Wer sich ein eigenes Urteil bilden will, fängt hier an
Jasons Stimme, der lauteste Einwand
Der mit Abstand meistdiskutierte Punkt betrifft nicht die Technik, sondern eine Stimme. Beebom hat die Reaktionen zusammengetragen und schreibt, viele Fans störe Jasons Sprecher mehr als der fehlende First-Person-Modus. In den Kommentaren fallen Worte wie leblos und langweilig.
Der Einwand hat zwei Ebenen, die oft vermischt werden. Die eine ist die Stimme selbst, die manchen zu flach klingt. Die andere ist die Figur. Jason wirkt in den 26 Minuten zurückhaltend und fast unterkühlt, auch im Umgang mit Lucia. Ob das eine schwache Darstellung ist oder eine bewusst angelegte Figur, lässt sich aus einer Montage nicht entscheiden.
Bemerkenswert ist der Gegenpunkt, den der australische Kanal DarkViperAU macht. Nach den Standbildern habe er Jason für einen harten, rauen Typen gehalten. Die Stimme passe deutlich besser zu der verspielten Art, die die Figur im Gameplay zeigt. Das ist dieselbe Beobachtung mit umgekehrtem Vorzeichen.
Rockstar nennt seine Sprecher grundsätzlich erst zum Verkaufsstart. Wer wissen will, was zur Besetzung belegt ist, findet es in unserem Artikel zu den Sprechern von Jason und Lucia.
Kein First-Person-Modus zum Start
Der zweite Punkt ist ein Fakt und keine Geschmacksfrage. Der zu Rockstar North eingeladene Creator Davy Jones berichtet, dass GTA 6 ohne eigenen Ego-Modus startet, Insider Gaming hat es als Erstes gemeldet. In begrenzten Situationen bleibt die Ich-Perspektive erhalten, etwa beim Zielen.
Interessant ist die gemessene Reaktion darauf: Sie fällt schwächer aus als die auf Jasons Stimme. Für die meisten war der Modus in GTA 5 eine Zugabe und keine Bedingung. Ausführlich steht das in unserem Artikel zur Ego-Perspektive.
30 Bilder pro Sekunde
Der dritte Punkt ist der technische. Rob Nelson hat bestätigt, dass GTA 6 auf Konsolen 30 Bilder pro Sekunde anpeilt, und offengelassen, ob ein Performance-Modus zum Start dazukommt. Push Square und Kotaku haben die Aussage aufgegriffen. Zur PS5 Pro will Rockstar noch nichts sagen.
Das trifft eine Erwartungshaltung, die sich seit Jahren aufgebaut hat: 60 Bilder gelten inzwischen vielen als Standard. Rockstars eigene Geschichte spricht dagegen, GTA 5 bekam seinen Performance-Modus erst neun Jahre nach dem Verkaufsstart. Die Zahlen und ihre Herkunft stehen in unserem Artikel zur Bildrate.
Fahrverhalten und Minikarte
Die letzten beiden Punkte sind Geschmackssache, und das sollte man dazusagen. Beim Fahren gehen die Meinungen auseinander, weil GTA 6 offenbar zwischen den Vorgängern liegt. Es ist schwerer als das arcadige GTA 5 und leichter als das simulationsnahe GTA 4. Wer einen der beiden Pole mochte, findet den Mittelweg zwangsläufig verwässert.
Belegt ist dabei nur die Richtung. Nelson sagt, die Straßen seien schmaler und der Verkehr dichter, was das Fahren fordernder macht. GamePro berichtet zusätzlich, dass echte Rennfahrer am Fahrverhalten mitgearbeitet haben. Wie es sich anfühlt, entscheidet sich am Controller und nicht an einem Video.
Der zweite Punkt betrifft die Minikarte. Sie ist neu in 3D gehalten und erinnert an eine Kartenanwendung auf dem Handy. In der Diskussion heißt es, sie sei während der Verfolgungsjagden unruhig und schwer zu lesen. Dazu kommt, dass sie im Video mehrfach ganz verschwindet, was auf eine ausblendbare Anzeige hindeutet. Beides ist eine Sache, die Rockstar nachbessern könnte, ohne am Spiel etwas zu ändern.
Was ich davon halte
Drei der vier Punkte sind vor dem 19. November nicht zu klären, weil sie erst am Controller entschieden werden. Der vierte, die Bildrate, ist geklärt und wird trotzdem weiter diskutiert werden.
Meiner Einschätzung nach ist die Stimmendiskussion die interessanteste, und zwar nicht wegen der Stimme. Sie zeigt, dass die Erwartung an Jason nach zwei Trailern und drei Jahren Spekulation sehr konkret geworden ist. Wer eine Figur so lange nur auf Standbildern sieht, baut sich eine Stimme dazu. Die echte trifft sie fast zwangsläufig nicht.
Michaels Darsteller hält dagegen
Die Behauptung, GTA 6 sehe aus wie GTA 5, hat einen prominenten Widerspruch bekommen. Ned Luke, der in GTA 5 Michael De Santa gespielt hat, nennt sie in einem Gespräch mit Partychat und House of Highlights schlicht unsinnig. Dexerto und IGN haben die Passage aufgegriffen.
Das sieht überhaupt nicht wie Grand Theft Auto 5 aus. Ich glaube, die sind völlig durchgedreht. Und eines sage ich euch: So gut habe ich nie ausgesehen.Ned Luke, Darsteller von Michael in GTA 5This looks nothing like Grand Theft Auto 5. I think they're out of their minds. I'll tell you one thing: I never looked that good.
Sein Argument ist dabei kein grafisches, sondern ein animatorisches. Luke verweist darauf, wie die Figuren gehen: In GTA 5 hätten die Bewegungen noch etwas Mechanisches gehabt, die Beine seien nie ganz gerade gewesen. Genau dieser Punkt deckt sich mit der Zahl, die Rockstar inzwischen selbst genannt hat, nämlich mehr als zehnmal so viele einzigartige Animationen wie in GTA 5.
Ein Interessenkonflikt gehört dazu und ist nicht zu übersehen: Luke hat für Rockstar gearbeitet und würde es vermutlich wieder tun. Sein Hinweis auf die Bewegungen lässt sich trotzdem am Material nachprüfen, und das ist mehr, als die Gegenseite bisher geliefert hat.
Was wird am GTA 6 Extended Look kritisiert? Vier Punkte: Jasons Sprecher, der fehlende First-Person-Modus, die 30 Bilder pro Sekunde und das Fahrverhalten. Dazu kommt die neue Minikarte, die vielen zu unruhig ist.
Warum gefällt vielen Jasons Stimme nicht? Sie wirkt auf viele Zuhörer zu flach für die Figur. Beebom hat die Reaktionen gesammelt und schreibt, dieser Punkt störe mehr Leute als der fehlende First-Person-Modus. Rockstar nennt seine Sprecher erst zum Verkaufsstart.
Läuft GTA 6 nur mit 30 FPS? Auf Konsolen ist das die Zielmarke, bestätigt von Rob Nelson. Ob ein Performance-Modus mit 60 Bildern zum Start dazukommt, wollte er nicht sagen. Zur PS5 Pro gibt es keine Angabe.
Ist die Kritik am Extended Look verbreitet? Nein, sie ist die Minderheitenmeinung. Die Präsentation hat Netflix und Twitch kurzzeitig überlastet, und die Reaktionen sind überwiegend euphorisch. Die Kritik betrifft Einzelheiten, nicht das Ganze.
Hinweis: Vor Release beruhen viele Angaben auf Leaks, Trailern und Gerüchten und sind nicht offiziell bestätigt.
