GTA 6 Leak: Take-Two jagt Cyberleek jetzt vor Gericht
Seit dem 22. August liegt ein Gerichtsbeschluss vor, und die ersten Kanäle des Leakers waren offline. Discord sagt allerdings, es habe die Vorladung bis heute nicht zugestellt bekommen.
- Ein Richter in New York hat die Vorladungen genehmigt, Eurogamer nennt den 4. September als Frist.
- Am 28. August folgte eine zweite Discord-Vorladung, auf Antrag von Take-Two unter Verschluss.
- Discord sagt, es sei nicht zugestellt worden. Ohne Zustellung läuft keine Frist.
- Seit dem 25. August gibt es einen Verdächtigen: Ein Discord-Konto kündigte die komplette Karte an, 84 Minuten später lag sie auf einem Blockchain-Speicher.
- Wir nennen den Namen nicht. Es gibt keine Anklage, und eine zweite Lesart erklärt denselben Verlauf anders.
- Inzwischen sind vier Plattformen vorgeladen: Microsoft, Discord, X und Google.
- Gestoppt hat keine Vorladung etwas, es erscheinen weiter Clips.
Drei Tage lang bestand Take-Twos Antwort auf den GTA-6-Leak aus Löschmeldungen. Das hat sich geändert. Am 20. August hat der Konzern beim Bundesgericht für den südlichen Bezirk von New York Vorladungen gegen Microsoft und Discord eingereicht, gefunden hat das Dokument Kotaku, aufgeschrieben hat es VGC. Ziel ist ein einziges: die Person hinter dem Namen Cyberleek zu identifizieren.
Was genau verlangt wird
Der Umfang der Forderung sagt mehr über den Ermittlungsstand als jede Pressemitteilung. Von Microsoft verlangt Take-Two alle internen Unterlagen zur Cyberleek-Persona, also auch die Ergebnisse einer Untersuchung, die Microsoft offenbar selbst geführt hat.
Von Discord wird deutlich mehr gefordert, und der Umfang ist der eigentliche Skandal. Verlangt werden die Daten nicht nur der Verdächtigen, sondern aller Konten, die zwischen dem 1. Juni 2026 und heute Mitglied in drei genannten Servern waren. Tom's Hardware fasst es in der Überschrift zusammen: Windows-Gerätekennungen von jedem, der in einem dieser drei Server war. Im Einzelnen:
Konto-Kennung und die Mailadresse der Anmeldung
die IP-Adressen der Registrierung und der letzten Anmeldung
die Telefonnummer
verknüpfte Konten, ausdrücklich genannt sind Google und Xbox
Gerätekennungen
Inhalte mit Bezug zu GTA, Rockstar oder Cyberleek aus dem jeweiligen OneDrive
Einer dieser drei Server ist der eines bekannten Namens. Take-Two nennt discord.gg/darkviperau und beschreibt ihn als Server der Cutter von DarkViperAU, wie Kotaku und Tom's Hardware berichten. Dahinter steht der australische GTA-Creator Matthew Judge mit 2,27 Millionen Abonnenten. Er widerspricht öffentlich in drei Sätzen: Er wisse nichts, das sei nicht der Server seiner Cutter, und in keinem seiner Discords lägen Clips aus dem Leak.
Damit hat die Rechtsoffensive ein zweites Thema bekommen, und es ist nicht mehr der Leak. Wenn eine Vorladung die Kontaktdaten und Gerätekennungen von allen Mitgliedern eines Servers mit Zehntausenden Leuten abfragt, betrifft sie Zehntausende, die nichts getan haben. Genau daran entzündet sich gerade die Kritik, und sie kommt nicht nur von Fans.
Bei der Rechtsform lohnt Genauigkeit. Das ist keine Klage gegen den Leaker, sondern eine Vorladung nach dem US-Urheberrechtsgesetz, mit der ein Rechteinhaber Plattformen zur Herausgabe von Nutzerdaten zwingen kann. Take-Two musste eidesstattlich erklären, die Daten nur zur Rechtsverfolgung zu nutzen. Eine Klage wäre der Schritt danach.
Der Beschluss, und was er auslöst
Am 22. August hat ein Richter am Bundesgericht in New York beide Vorladungen genehmigt. Insider Gaming veröffentlicht den Beschluss, gefunden hat ihn Stephen Totilo von Game File. Im Text steht, dass das Gericht guten Grund sieht, die Herausgabe der Identität anzuordnen, und dass die Unterlagen der Anwältin Dale Cendali dafür ausreichen. Eurogamer nennt den 4. September als Frist.
Wirkung zeigte sich am selben Tag. Die Cyberleek-Website ging offline, der Telegram-Kanal zeigte nur noch eine Urheberrechtsmeldung. Eurogamer nennt das die erste Trophäe der Rechtsoffensive. Inzwischen sind beide wieder erreichbar, für jede Löschung erscheint ein Spiegel.
Am 23. August kam eine dritte Vorladung dazu, am 24. eine vierte. Laut IGN verlangt Take-Two von X Auskunft über drei Konten mit „CyberLeak" im Namen, laut TorrentFreak zusätzlich von Google Daten zu einem YouTube-Video. Die drei X-Konten sind inzwischen gesperrt. Gestoppt hat das nichts, an beiden Tagen erschien ein neuer Clip.
Microsoft hat sich dazu öffentlich geäußert, und das ist ungewöhnlich. Xbox-Technikchef Scott Van Vliet schrieb auf X, man arbeite eng mit Take-Two und Rockstar zusammen, um schöpferische Werke und geistiges Eigentum zu schützen. Dexerto und GamesRadar ordnen das als Zusage ein, der Vorladung nachzukommen.
Discord bremst, und der Unterschied ist juristisch
Am 25. August hat Discord widersprochen. Marketingchef Ryan K. Rigney schrieb auf X, das Unternehmen habe die Vorladung noch nicht zugestellt bekommen, und werde Gültigkeit und Umfang prüfen, sobald das passiert.
Discord hat von Take-Two noch keine Vorladung zugestellt bekommen. Wenn es dazu kommt, prüfen wir Gültigkeit und Umfang, bevor wir antworten.Ryan K. Rigney, Marketingchef von Discord, auf XDiscord has not yet been served with a subpoena from Take Two. When we do, we'll evaluate the validity and scope before responding.
Das klingt nach Wortklauberei und ist es nicht. Eurogamer erklärt den Unterschied: einreichen und zustellen sind zwei Schritte, antworten muss ein Unternehmen erst nach der Zustellung. Die Frist zum 4. September hängt also daran, dass Discord das Papier bekommt. Wer gelesen hat, Discord müsse Anfang September liefern, hat einen Schritt übersprungen, und wir gehörten dazu.
Die zweite Vorladung, diesmal unter Verschluss
Am 28. August hat Take-Two eine zweite Vorladung für Discord eingereicht, anders gebaut als die erste. Sie soll unter Verschluss bleiben, die Öffentlichkeit erfährt den Inhalt also nicht. TorrentFreak hat die Eingabe zuerst ausgewertet, VGC, Eurogamer und PC Gamer sind nachgezogen.
Der Unterschied zur ersten Runde ist der Zuschnitt. Die erste Vorladung erfasste hunderttausende Nutzer über mehrere Server, die neue nennt laut Eurogamer genau zwei Personen: einen bereits bekannten Discord-Nutzer und einen zusätzlichen. Take-Two nennt die Ermittlung "rapidly evolving" und begründet den Verschluss damit, eine Veröffentlichung könne die Beschuldigten warnen. Entschieden ist darüber nichts. Laut GamesRadar hat das Gericht bis zum 1. September nicht befunden, eine neue Vorladung ist nicht ergangen.
Fast unbemerkt lief ein zweiter Vorgang: die Vorladung an YouTube hat Take-Two zurückgezogen.
Eingemischt hat sich Reclaim The Net. Ihr Vorwurf laut IGN: Urheberrecht solle Rechtsverletzungen treffen, hier werde es benutzt, um Identitäten zu suchen.
Kurz vor der Abschaltung hatte die Gruppe ihr Geschäft noch ausgebaut, mit bezahlten Einblendungen und Auftragsaufnahmen zu sechsstelligen Preisen. Die Zahlen dazu stehen im Artikel zu Coin, Abstimmung und Werbeplätzen.
Die Spur, die aus Zeitstempeln besteht
Am 25. August hat die Suche zum ersten Mal eine Richtung bekommen, und sie kommt nicht von Take-Two. Ein Freiwilliger hat im GTA-Forum eine dritte Folge seiner Untersuchung veröffentlicht, und die Methode ist so einfach wie belastbar: Die geleakten Dateien liegen auf Arweave, einem Speicher auf Blockchain-Basis. Jeder Upload dort trägt einen unveränderlichen Zeitstempel, auf die Sekunde genau. Rückdatieren geht nicht.
Legt man diese Zeitstempel gegen Nachrichten in einem öffentlichen Discord-Server, entsteht folgende Reihe. Ein Konto tritt am 18. August um 15:22 dem Server bei und postet sechs Minuten später den Basketball-Clip, den es kurz danach löscht. Um 15:51 fragt es, welches Gameplay die Leute sehen wollen. Eine Minute später antwortet jemand mit einem Wort: driving. Um 15:55 kündigt das Konto an, mit Fahr-Material zurückzukommen, und um 19:05 liegt genau das auf Arweave.
Das allein wäre schwach, denn Fahren ist bei einem GTA keine kühne Vorhersage. Der harte Punkt kommt acht Minuten später. Um 16:03 behauptet dasselbe Konto, es könne die komplette Karte schnell teilen. Die komplette Karte erscheint um 17:28 und 34 Sekunden auf Arweave, also 84 Minuten später. Eine Teilkarte war schon am 16. August online, die vollständige nicht. Kotaku spricht deshalb von einem neuen, wahrscheinlichen Verdächtigen, Notebookcheck ordnet den Fund als Hinweis für Rockstar ein.
Bemerkenswert ist, was die Untersuchung selbst aussortiert. Der Basketball-Clip beweist nichts, denn er stand am Morgen des 18. August in einem Darknet-Forum unter dem Titel gestohlenes GTA-6-Material. Jeder, der dort mitlas, konnte ihn herunterladen und weiterverbreiten. Genau diese Trennung unterscheidet eine Untersuchung von einer Verdächtigung.
Wir nennen den Namen des Kontos nicht. Mehrere Häuser führen ihn inzwischen, es gibt aber keine Anklage, keine Bestätigung und keine Stellungnahme der betroffenen Person. Dazu kommt ein Widerspruch, der noch nicht ausgeräumt ist: Nach anderer Darstellung lag das Material zwölf Stunden vor den Discord-Nachrichten im Darknet-Forum, was auch einen aufmerksamen Mitleser erklären würde. Zwei Lesarten, eine davon zerstört ein Leben.
Aus der Sache folgt trotzdem etwas Handfestes. Wer in einem Discord-Server postet, hinterlässt Anmelde-IP, Login-Verlauf, verknüpfte Konten und oft eine Telefonnummer. Genau diese Daten verlangt Take-Two mit seinen Vorladungen. Sollte der Server dazukommen, hängt an dem Konto derselbe Datensatz, den der Konzern für die drei bereits benannten Server angefordert hat.
Die Geldspur ist das eigentliche Loch
Derselbe Freiwillige hatte vorher schon die Kryptoseite auseinandergenommen, IGN und Dexerto haben es aufgegriffen. Nach eigener Darstellung stammt die Untersuchung aus einer Studienarbeit zur digitalen Forensik.
Der Kern seines Fundes: Alle Zahlungen laufen auf eine einzige Wallet zusammen, und das Startgeld für den Coin stammt von der Börse KuCoin. Die verlangt eine Identitätsprüfung mit Ausweis. Wer das finanziert hat, hat dort Papiere hinterlegt, die eine Behörde per Vorladung holen kann.
Die Beträge nennt er ebenfalls: rund 50.000 Dollar eingenommen, weitere rund 391.000 in noch nicht verkauften Token. Das erklärt die Tropfenfolge, jeder neue Clip hält den Kurs oben. Sein trockener Nachsatz sitzt: Wenn er die Transaktion in wenigen Stunden gefunden hat, hatte Rockstars Team sie am ersten Tag.
Was der Leak Take-Two gekostet hat
Eine Zahl gibt es auch dafür. Vor dem Leak stand die Aktie bei rund 248 Dollar, danach fiel sie auf 233. Über die Marktkapitalisierung gerechnet sind das laut PC Gamer rund 2,8 Milliarden Dollar. Für einen Konzern dieser Größe ist das ein Kursrutsch und kein Existenzproblem, und bis zum 19. November ist viel Zeit.
Meine Einschätzung
Die Anonymität dieser Aktion ist technisch ordentlich gebaut und wirtschaftlich schlecht. Ein VPN, dezentraler Speicher und ein Konto ohne Klarnamen halten eine Weile. Ein Coin, der über eine regulierte Börse finanziert wurde, hält nicht, denn dort liegt ein Ausweis. Genau der Punkt, der die Aktion einträglich macht, ist auch der, an dem sie auffindbar wird.
Was das für die kommenden Tage heißt, ist offener geworden, nicht klarer. Neue Clips gibt es seit dem Extended Look nicht mehr, die Serie ist versiegt. Dafür wird die Ermittlung zum ersten Mal gezielt statt breit, und genau das spricht dafür, dass Take-Two jemanden im Blick hat. Wer hinter dem Namen steckt und was belegt ist, steht im Porträt zu Cyberleek, der laufende Vorgang im Artikel zum Leak vom 18. August.
Ist der GTA-6-Leaker gefasst? Nein. Es gibt keine Festnahme und keine gerichtliche Zuordnung. Seit dem 25. August gibt es einen Verdächtigen, der über Zeitstempel und Discord-Nachrichten gefunden wurde, bestätigt ist auch das nicht.
Was ist eine DMCA-Vorladung? Ein Gerichtsinstrument des US-Urheberrechts, mit dem ein Rechteinhaber Plattformen zur Herausgabe von Nutzerdaten zwingen kann, um einen Rechtsverletzer zu identifizieren. Eine Klage gegen die Person ist es noch nicht.
Wie viel Geld hat Cyberleek verdient? Nach der Untersuchung des GTA-Forum-Nutzers Vice Cit rund 50.000 Dollar, dazu etwa 391.000 Dollar in noch nicht verkauften Token. Bestätigt hat das niemand offiziell.
Was hat der Leak Take-Two gekostet? Der Kurs fiel von rund 248 auf 233 Dollar, gerechnet auf die Marktkapitalisierung sind das laut PC Gamer rund 2,8 Milliarden Dollar. Der Termin am 19. November ist davon unberührt.
Kann die Kryptobörse zur Herausgabe gezwungen werden? Grundsätzlich ja. KuCoin verlangt eine Identitätsprüfung, und solche Daten lassen sich per Vorladung anfordern. Wie schnell das über Landesgrenzen hinweg geht, ist eine andere Frage.
Muss Discord die Nutzerdaten jetzt herausgeben? Noch nicht. Discord sagt, die Vorladung sei bislang nicht zugestellt worden, und will Gültigkeit und Umfang erst danach prüfen. Eingereicht und zugestellt sind zwei verschiedene Schritte, die Frist zum 4. September hängt am zweiten.
Wie wurde der Verdächtige gefunden? Über Zeitstempel. Die geleakten Dateien liegen auf einem Blockchain-Speicher, der jeden Upload sekundengenau festhält. Ein Konto in einem Discord-Server kündigte die komplette Karte an, 84 Minuten später lag sie online.
Hinweis: Vor Release beruhen viele Angaben auf Leaks, Trailern und Gerüchten und sind nicht offiziell bestätigt.
