Wer ist Cyberleek? Der GTA-6-Leaker und sein Geschäft
Cyberleek ist der Name, unter dem seit dem 18. August GTA-6-Material auftaucht, und niemand weiß, wer dahintersteckt: eine Person, eine Gruppe, ein Konto mit VPN.
- Seit dem 20. August gilt als belegt, dass Cyberleek einen spielbaren Build hat. Im fünften Clip schießt Jason den Namen LEEK in eine Wand.
- Neu und unbestätigt: Hinweise deuten auf eine Person aus dem deutschsprachigen Raum, Mitte bis Ende 30. Belegt ist davon nichts.
- Am 23. August kam ein deutscher Radiosong als vierter Hinweis dazu. Über die Musik entscheidet allerdings Rockstar.
- Website und Telegram-Kanal waren am 22. August offline, die Website ist inzwischen wieder erreichbar.
- Der Geldstrang, also Coin, bezahlte Abstimmung und Werbeplätze, steht in einem eigenen Artikel.
- Seit dem 26. August behauptet das Wasserzeichen, das Spiel sei nicht fertig. Rockstar schrieb am selben Tag das Gegenteil. Belegt ist keine der Aussagen.
Seit dem 18. August 2026 kursieren Clips aus GTA 6, dazu eine komplette Leonida-Karte und eine Zwischensequenz. Unter jedem Fund steht derselbe Name: Cyberleek. Wer das ist, weiß niemand. Die Berichterstattung schreibt teils von einer Gruppe, teils von einem Leaker, und Cyberleek selbst benutzt in seinen Texten die Mehrzahl. Tom's Hardware nennt es schlicht einen Hacker, der gegen die reine Digital-Veröffentlichung protestiert.
Ein Detail sagt mehr über das Selbstbild als jedes Manifest. Cyberleek hat aus dem eigenen Material eine Zwischensequenz ausgesucht, in der Jason und Cal Hampton über Angeln reden. Einer sagt darin, die wüssten nichts über ihn, er benutze ein VPN. Auf Englisch ist Fishing das Angeln und Phishing der Angriff über gefälschte Mails. Der Leaker hat sich diese Szene aus seinem Material herausgesucht, um mit dem eigenen Vorgehen zu witzeln.
Was am 20. August dazukam
Bis dahin war offen, ob Cyberleek das Spiel besitzt oder nur Aufnahmen daraus. Der fünfte Clip beantwortet das: Jason steht am Ende vor einer Wand und schießt das Wort LEEK hinein. So etwas entsteht nur im laufenden Spiel. Eurogamer, GamesRadar und Push Square lesen es gleich, GameStar nennt es einen spielbaren Build. Was in den einzelnen Videos steckt, steht in unserer Chronik aller Clips.
Ob dieser Build aktuell ist, bleibt offen. Mehrere Hinweise deuten auf einen älteren Stand, ein Song von Anfang 2025 in einem Clip spricht dagegen. Für die Frage, was noch kommen kann, ist das aber zweitrangig. Wer das Spiel starten kann, kann auch seine Dateien auslesen, und damit rückt die Story in Reichweite. Was das praktisch heißt, steht in unserem Artikel dazu, wie du Spoiler bis November vermeidest.
Die Deutschland-Spur, und was sie wert ist
Seit dem 21. August kursiert eine Vermutung, die für uns näher liegt als für andere: Cyberleek könnte aus Deutschland kommen. Zusammengetragen hat die Hinweise der Twitch-Streamer Dennis Werth, bekannt als Heideltraut, aufgegriffen hat sie Gamepro. Drei Punkte werden genannt. Die IP-Adressen sollen zu Servern von Hetzner führen, einem großen deutschen Anbieter. Ältere Blogbeiträge sollen teils auf Deutsch verfasst sein und mit „Moin, moin" beginnen, einer norddeutschen Begrüßung. Und in einem Forenbeitrag von 2018 soll sich die Person als 25 bis 30 Jahre alt bezeichnet haben, wäre heute also Mitte bis Ende 30.
Jetzt der unangenehme Teil, und Gamepro schreibt ihn selbst dazu: Verifiziert ist nichts davon. Eine Hetzner-IP beweist keine Herkunft, sondern einen Mietvertrag, und Server dort kann jeder auf der Welt mit einer Kreditkarte buchen. Genau deshalb sind sie beliebt. Ein „Moin, moin" in einem alten Blogbeitrag ist ein Indiz für die Sprache, nicht für den Wohnort, und die Zuordnung des Beitrags zur Person steht auf denselben Füßen wie alles andere in dieser Geschichte.
Am 23. August kam ein vierter Punkt dazu, und er ist der unterhaltsamste. Im Nachtflug schaltet der Leaker durch ein Dutzend Radiosender, englische und spanische Titel, und bleibt beim einzigen deutschen hängen: Herz aus Glas von Marianne Rosenberg. Der Song läuft dann minutenlang weiter. PC Games und 4Players haben das aufgegriffen, PC Games nennt zusätzlich einen Nutzer namens cyberleek, der seit 2017 in einem deutschsprachigen Fachforum über Linux und Server schrieb und seine Beiträge mit „Moin" begann.
Auch das beweist nichts, und PC Games sagt es selbst dazu. Über den Song entscheidet Rockstar, nicht der Leaker, und Blondies Original lief in GTA Vice City Stories auf Wave 103. Dass jemand bei dem einen deutschen Titel im Menü hängen bleibt, kann eine Vorliebe sein, ein Zufall oder ein gezielter Scherz für alle, die gerade über seine Herkunft spekulieren. Was das Radio sonst zeigt, steht in unserem Artikel zum Soundtrack von GTA 6.
Belastbarer als jedes Sprachindiz ist die Geldspur. Ein Forennutzer hat sie mit den Mitteln der digitalen Forensik verfolgt, IGN hat die Analyse aufgegriffen. Sie führt zu einer Börse mit Ausweispflicht, und dort liegt ein Name. Wie weit das inzwischen verfolgt ist, steht in unserem Artikel dazu, wie Take-Two den Leaker jagt.
Was gefordert wird, und wo das Geld hingeht
Anders als beim Einbruch von 2022 liegt ein Manifest bei. Cyberleek fordert ein Ende digitaler Vorbestellungen, keine erst per Kauf freigeschalteten Inhalte auf dem Datenträger und einen offline spielbaren Einzelspieler-Teil für jedes Online-Spiel. Seit dem 23. August kommt das Wiederverkaufsrecht dazu. Im selben Text wird für eine Kryptowährung geworben, und inzwischen verkauft die Gruppe Abstimmungen und Werbeplätze. Der ganze Geldstrang steht in unserem Artikel dazu, wie Cyberleek mit dem Leak Geld verdient.
Wer widerspricht
Am deutlichsten die Bewegung, auf die sich das Manifest beruft. Stop Killing Games entstand nach dem Server-Aus von The Crew und will mit den Leaks nichts zu tun haben. Wie Kotaku berichtet, nennt die Bewegung die Aktion destruktiv, verurteilt die illegalen Mittel und warnt ausdrücklich davor, Cyberleek Geld zu schicken. Die Begründung sitzt: Solche Aktionen treffen die Entwickler genauso wie den Konzern.
Auch aus der Streaming-Ecke kommt Gegenwind. Bei Dexerto ist nachzulesen, wie xQc den Leaker abkanzelt, wer leake, sei kein echter Fan. Take-Two lässt das Material per DMCA löschen, und genau das gilt als stärkstes Echtheitsindiz: Ein Konzern lässt nichts löschen, was ihm nicht gehört.
Vorsicht bei allem, was den Namen trägt
Um den Namen herum ist inzwischen ein zweiter Markt entstanden, und der ist gefährlicher als das Material selbst. Am 20. August hat die Gruppe das selbst klargestellt: Sie betreibe ausschließlich eine Website und einen Telegram-Kanal, alle anderen Konten auf X, Discord und Telegram seien Fälschungen. Wie gut die Masche funktioniert, zeigt eine Zahl: Ein solches Konto auf X sammelte binnen 24 Stunden über 100.000 Follower, bevor es gesperrt wurde. Im geleakten Material selbst steht seither ein Wasserzeichen, das genau das klarstellt. Wie ernst das ist, zeigt ein Fall bei Eurogamer. Die Redaktion hatte gemeldet, der Leaker habe vollen Zugriff auf das Spiel, und musste den Satz zurückziehen: Die Aussage stammte von einem solchen Fake-Konto. Seit dem 22. August sind beide Kanäle weg. Die Website ist offline, und der Telegram-Kanal zeigt nur noch den Hinweis, dass er wegen einer Urheberrechtsverletzung nicht verfügbar ist. Das fiel mit dem Gerichtsbeschluss zusammen, nachzulesen in unserem Artikel dazu, wie Take-Two den Leaker jagt.
- Kein QR-Code und keine Wallet-Adresse aus dem kursierenden Material anfassen. Auf den Kartenbildern steht derselbe Aufruf zum Coin.
- Keinem Konto glauben, das Vorabinfos verspricht. Der gefälschte Discord-Countdown hat genau so funktioniert.
- Keine Datei aus zweiter Hand herunterladen. Wer ein Video sucht, landet auf beliebigen Seiten, und darum geht es dort meistens.
Auf ViceGuide gibt es das Material nicht, keine Clips, keine Karte, keine Standbilder. Beschreiben und prüfen geht auch ohne, und wir haben kein Interesse daran, das Ziel der nächsten DMCA-Meldung zu sein.
Warum Rockstar schweigt
Rockstar hält den Termin, obwohl der Leak ihn vorwegnimmt, und sagt selbst nichts dazu. Warum das die richtige Entscheidung ist, steht im Artikel zum Extended Look. Meiner Einschätzung nach ist das Schweigen kein Zeichen von Schwäche. Jedes Statement macht den Namen Cyberleek größer, jede Reaktion bestätigt Material, das offiziell nicht existiert. Ob die Forderungen dadurch verschwinden, ist eine andere Frage. Der Ärger über Download-Codes in Pappschachteln war schon vor dem 18. August da.
Wer steckt hinter Cyberleek? Das ist unbekannt. Es gibt keine Zuordnung zu einer Person, keine Festnahme und keine Bestätigung, ob es eine Einzelperson oder eine Gruppe ist. Seit dem 21. August kursieren Hinweise auf eine Person aus Deutschland, verifiziert ist davon nichts. Belegt ist, dass der Zugang zum Spiel echt ist: Im fünften Clip wird der Name mit Einschusslöchern in eine Wand geschrieben.
Was will Cyberleek von Rockstar? Eine öffentliche Erklärung und Entschuldigung samt Zusage, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen. Inhaltlich geht es um ein Ende digitaler Vorbestellungen, um Inhalte, die schon auf dem Datenträger liegen, und um Offline-Zugang für Einzelspieler-Inhalte.
Ist Cyberleek derselbe wie der GTA-6-Leak von 2022? Nein. 2022 verschaffte sich ein einzelner Jugendlicher Zugang zu Entwicklungsmaterial, er wurde gefasst und verurteilt. Der aktuelle Fall tritt mit einem Manifest, einer Kryptowährung und einer Drohung an die gesamte Branche auf.
Hat Cyberleek ein Konto auf X oder Discord? Nein. Die Gruppe erklärt in ihrem Telegram-Kanal, sie betreibe nur eine Website und diesen Kanal. Konten, die auf X oder Discord in ihrem Namen auftreten, sind Trittbrettfahrer, eines davon hat bereits eine Redaktion zu einer Korrektur gezwungen.
Kommt Cyberleek aus Deutschland? Unbestätigt. Genannt werden IP-Adressen bei einem deutschen Serveranbieter und ältere Blogbeiträge auf Deutsch. Ein gemieteter Server in Deutschland sagt allerdings nichts über den Aufenthaltsort seines Mieters.
Die Behauptung vom 26. August
Seit dem 26. August trägt das Wasserzeichen eine Aussage über das Spiel selbst: Es sei überhaupt nicht fertig. The Game Post hat daraus eine eigene Meldung gemacht. Am selben Tag schrieb Rockstar in seiner ersten Erklärung zur Leak-Serie das Gegenteil, das Spiel sei nearly there, also so gut wie fertig.
Belegt ist keine der beiden Aussagen, und beide Seiten haben ein Interesse an ihrer Version. Für die Einschätzung der Person ist der Satz trotzdem aufschlussreich. Wer über den Fertigstellungsgrad urteilt, gibt zu erkennen, dass er mehr gesehen hat als die sechzehn veröffentlichten Clips. Ein Prolog allein trägt so ein Urteil nicht, denn der Anfang eines Spiels ist in jeder Produktion zuerst fertig.
Hinweis: Vor Release beruhen viele Angaben auf Leaks, Trailern und Gerüchten und sind nicht offiziell bestätigt.
