Cyberleek und das Geld: Coin, Abstimmung, Werbeplätze
Der Coin lief drei Tage vor dem ersten Clip. Seither ist aus dem Protest ein Geschäft geworden, mit Preisliste und Abstimmung.
- Die Domain lief ab dem 14. August, der Coin ab dem 15., der erste Clip kam am 18. Eine Verbraucherkampagne braucht keinen vorbereiteten Token.
- Seit dem 24. August steht Lucias Prolog zur Abstimmung. Auf ja liegen zwei Einzelzahlungen von rund 4.106 und 2.027 Dollar.
- Die Methode war eine Kursmarke, jetzt ist sie eine Auktion mit dem Anschein einer Umfrage.
- In jedem Video liegt im Wasserzeichen ein QR-Code, der direkt zum Kauf des Tokens führt.
- Käufer erwerben keinen Anspruch, nur die Aussicht auf weiteres geschütztes Material.
- Für ein Gespräch über Werbeplätze verlangt die Gruppe 162.000 bis 165.000 Dollar.
Cyberleek tritt als Verbraucherschützer auf. Im Manifest stehen drei Forderungen an die ganze Branche: Schluss mit digitalen Vorbestellungen, keine Inhalte, die schon auf dem Datenträger liegen und erst per Kauf freigeschaltet werden, und ein offline spielbarer Einzelspieler-Teil für jedes Online-Spiel. Wer hinter dem Namen steckt, steht in unserem Porträt zu Cyberleek, der Vorgang insgesamt im Artikel zum Leak vom 18. August. Hier geht es um den Teil, der in der Debatte oft untergeht: das Geld.
| Datum | Was passierte | Betrag |
|---|---|---|
| 14. August | Die Domain für die Leaks wird angemeldet | |
| 15. August | Einen Tag später wird der Coin auf Solana geprägt | |
| 18. August | Handelsvolumen am Tag des ersten Leaks | rund 11,8 Millionen Dollar |
| 19. August | Bezahlte Abstimmung über den nächsten Clip startet | ab 80 Dollar pro Stimme |
| 21. August | Preisliste für Werbeplätze und Auftragsaufnahmen | 162.000 bis 165.000 Dollar |
| 22. August | Strip-Club-Material wird gegen eine Kursmarke versprochen | Schwelle 3 Millionen |
| 22. August | Die Marke fällt, das Material erscheint, Entwickler-Token werden verbrannt | rund 1 Million verbrannt |
| 23. August | Nach dem gas-Clip steigt der Kurs über Nacht | plus 80 Prozent, über 16 Millionen |
| 24. August | Marktwert und Tagesvolumen laut CoinGecko | rund 22 und über 112 Millionen |
| 24. August | Abstimmung über Lucias Prolog startet, bezahlt in Coin | zwei Zahlungen, 4.106 und 2.027 Dollar |
| 25. August | Drei Clips an einem Tag, neues Wasserzeichen bittet um Spenden | Krypto als einziger Weg |
| 26. August | Die Abstimmung über Lucias Prolog läuft ab | Stand 99,6 Prozent für ja |
Der Coin lief vor dem Leak
Das ist der Befund, an dem sich die Verbraucher-Erzählung bricht. Die Domain für die Leaks wurde am 14. August angemeldet, der Token laut CVJ.CH einen Tag später geprägt, Dexerto weist ihn ab dem 15. August als handelbar aus. Der erste Clip erschien am 18., und allein an diesem Tag wurden rund 11,8 Millionen Dollar davon gehandelt. Eine Kampagne für Verbraucherrechte braucht keinen Token, der drei Tage vorher bereitliegt. CBR nennt den Vorgang deshalb einen Pump-and-Dump.
Im Manifest steht ausdrücklich, dies sei keine Geldbeschaffung. GamesRadar hat dazu trocken angemerkt, genau das würde jemand sagen, der eine Geldbeschaffung betreibt.
Aus dem Protest wird eine Preisliste
Seit dem 19. August verkauft die Gruppe die Reihenfolge ihrer Enthüllungen. Wer mit dem eigenen Coin zahlt, stimmt darüber ab, welche Aufnahme als nächste erscheint. Zur Wahl standen laut Insider Gaming vier Clips, gewonnen hat das Flugzeug, und genau das kam am 20. August. Mindestens eine Person zahlte dafür 80 Dollar, also den vollen Preis des Spiels. Insider-Gaming-Autor Robert DeFelice nennt das räuberisch.
Am 21. August kam die Preisliste dazu. Auf der Website stand ein Kontaktbereich mit bezahlten Einblendungen im Video und maßgefertigten Aufnahmen. Allein um darüber zu sprechen, verlangte die Gruppe zwischen 162.000 und 165.000 Dollar in Kryptowährung: PLAY3.DE nennt 162.000, PC Gamer und GamesRadar 164.000 bis 165.000. Damit ist das Material selbst zur Ware geworden, nicht mehr nur seine Reihenfolge.
Am 22. August kam die dreisteste Stufe. Der Leaker versprach Strip-Club-Material, sobald der Kurs seines Coins drei Millionen Dollar erreicht, PC Gamer hat die Ankündigung dokumentiert. Die Marke fiel, das Material erschien. Ein Preis war das nicht mehr, sondern ein Kursziel.
Im Wasserzeichen desselben Clips steht die Antwort auf den Betrugsvorwurf: „To prove you wrong all dev tokens were just burned, now only collecting trading fees." TheGamer bewertet die verbrannten Entwickler-Token auf rund eine Million Dollar. Seither verdient die Gruppe nach eigener Darstellung nur noch an den Gebühren jeder Transaktion.
Der Streamer penguinz0 liefert das Gegenargument, das in den Jubelmeldungen fehlt. Ein öffentlich zelebriertes Verbrennen der Entwickler-Token war in der Shitcoin-Welle vor vier bis fünf Jahren die Standardnummer, mit der Vertrauen erzeugt wurde. Es verhindert genau eine Art von Betrug und keine andere, und wer an jeder Transaktion mitverdient, hat weiter jedes Interesse an Aufregung.
Nach dem Prolog: eine Marke am Umsatz
Am 26. August ist die Methode zum vierten Mal umgestellt. Das Wasserzeichen des Nachmittags-Clips nennt keine Spende und kein Kursziel, sondern eine Umsatzmarke: 250 Millionen Handelsvolumen. Daneben steht die Ankündigung des nächsten Motivs, ein Bus am Strand mit Polizei.
Der Wechsel von Kurs auf Handelsvolumen ist keine Kosmetik. Ein Kursziel lässt sich mit wenigen großen Käufen erreichen, die danach im Bestand liegen bleiben. Handelsvolumen zählt jede Bewegung, also auch das Hin und Her derselben Bestände. Wer eine Volumenmarke setzt, belohnt Handel statt Halten, und davon profitiert bei einem selbst geprägten Token vor allem der Prägende.
Am selben Abend erschien Lucias Prolog, über den seit dem 24. August abgestimmt wurde. Damit ist der Geldstrang einmal komplett durchgelaufen: von der bezahlten Themenwahl über die gekaufte Zustimmung bis zum Story-Material, das am Ende herauskam. Was in dem Clip steckt, steht hinter einer Spoiler-Warnung in unserem Artikel zum geleakten Prolog.
Die Methode: keine Summe, eine Kursmarke
So beschrieben klingt der Ablauf nach Einzelfällen. Er ist ein System, und CVJ.CH hat es am klarsten aufgeschrieben. Cyberleek fordert kein Geld und setzt keine Frist. Er nennt einen Marktwert, den sein Token erreichen muss, bevor das nächste Video kommt. Wer das Video sehen will, zahlt also nicht, sondern kauft. Und je mehr mitkaufen, desto schneller ist die Marke erreicht.
Der Beleg dafür steckt im Bild selbst. In jedem veröffentlichten Video liegt im Wasserzeichen ein QR-Code, der direkt zum Kauf des Tokens führt. Das ist kein Vorwurf, den man belegen müsste, sondern ein Bestandteil des Materials. Wer eine Kampagne für Verbraucherrechte führt, druckt keinen Kaufcode in seine Beweismittel.
Was Käufer dafür bekommen, ist der Punkt, an dem es kippt. Sie erwerben keinen Anspruch, keinen Anteil und keine Leistung, sondern die Aussicht auf weiteres urheberrechtlich geschütztes Material. Die Zahlen zeigen, dass das funktioniert. Laut CoinGecko-Daten, aufgegriffen von Yahoo Finanzen und BeInCrypto, sprang der Kurs anfangs um über 5.000 Prozent, zuletzt binnen 24 Stunden um über 1.400. Coinspeaker meldete nach dem gas-Clip allein plus 80 Prozent über Nacht.
Vom Kursziel zur Auktion
Am 24. August ging es erstmals nicht um Spielmechanik, sondern um die Geschichte. Im Wasserzeichen des FKK-Clips fragt der Leaker, ob er Lucias Prolog zeigen soll. Er habe Spoiler bisher vermieden und könne das nicht allein entscheiden. Dazu eine zweite Bedingung: Zehn Leute sollen als Lauch verkleidet vor den Büros von Take-Two oder Rockstar erscheinen. Forbes und GamesRadar geben den Wortlaut wieder.
Der Stand war das Aufschlussreiche daran: 99,7 Prozent für ja, und das hatte nichts mit der Zahl der Teilnehmer zu tun. Zwei Kanäle lasen die Seite aus und nennen zwei Einzelzahlungen von 4.105,86 und 2.026,66 Dollar auf ja. Diese Beträge stehen nur auf der Seite des Leakers, keine Redaktion nennt sie.
Damit ist die Abstimmung keine Abstimmung. Wer ja will, kauft ja, wer nein will, müsste teurer kaufen. Das Ergebnis stand fest, sobald eine einzige Person mit Geld ein bestimmtes Ergebnis wollte, und jede abgegebene Stimme läuft über den Coin des Veranstalters. Es ist eine Auktion mit dem Anschein einer Umfrage.
Wie sich die Forderung verschiebt
Die Wasserzeichen sind das Protokoll dieser Aktion, und sie erzählen eine Entwicklung. Am 23. August stand dort erstmals nicht die digitale Vorbestellung im Zentrum, sondern das Wiederverkaufsrecht. Bei einem Download-Code ohne Disc gibt es das tatsächlich nicht, nachzulesen im Artikel zur physischen Edition ohne Disc.
Am 25. August hat sich dann der Ton geändert, und das ist verräterischer als jede Zahl. Statt eines Kursziels steht dort eine Bitte: Man solle die Wut nicht gegen die richten, die für einen kämpfen, die Leaks seien kostenlos, Spenden deckten die Betriebskosten, und Krypto sei der einzige Weg. PC Gamer nennt den Ton reichlich kitschig.
Der Laden-Clip vom selben Tag liefert die Kurskorrektur dazu. Dort steht, die Leute verstünden es falsch, es gehe nicht um Datenträger, sondern um Eigentum. Nachdem der Vorwurf der Geldbeschaffung eine Woche lang lief, wird das Manifest also nachgeschärft, und zwar in einem Clip, der in einem Laden voller physischer Spiele gedreht ist.
Wohin die Spur führt
Das Geld ist zugleich die größte Schwachstelle der Aktion. Ein Forennutzer hat die Zahlungen bis zu einer Börse mit Ausweispflicht verfolgt, IGN hat die Analyse aufgegriffen. Rund 50.000 Dollar sollen eingenommen sein, weitere rund 391.000 stecken in noch nicht verkauften Token. Wie weit die Ermittlungen inzwischen sind, steht in unserem Artikel dazu, wie Take-Two den Leaker jagt.
Wer warnt
Am deutlichsten die Bewegung, auf die sich das Manifest beruft. Stop Killing Games entstand nach dem Server-Aus von The Crew und will mit den Leaks nichts zu tun haben. Laut Kotaku nennt sie die Aktion destruktiv, verurteilt die illegalen Mittel und warnt ausdrücklich davor, Cyberleek Geld zu schicken. Die Begründung sitzt: Solche Aktionen treffen die Entwickler genauso wie den Konzern.
Schickt diesen Leuten kein Geld, egal wie viel Sympathie ihr für ihr Anliegen aufbringt. Das ist illegal.Stop Killing Games in einer Stellungnahme, wiedergegeben von Push SquareDo not send these people your money, no matter how much sympathy you may feel for their actions. This is illegal.
Meiner Einschätzung nach ist die Sache entschieden. Die Forderungen sind nicht falsch, viele Spieler teilen sie, und der Ärger über Download-Codes in Pappschachteln war schon vor dem 18. August da. Wer Werbeplätze verkauft und Enthüllungen versteigert, betreibt aber kein Verbraucherprojekt. Er betreibt ein Medium, das sich ein Anliegen umhängt, weil das teurer aussieht als eine Erpressung.
Die Bilanz, Stand 29. August
GamePro rechnet die Sache jetzt zusammen und kommt auf knapp 270.000 US-Dollar, die Cyberleek über den Coin gezogen hat. Die Redaktion geht zugleich davon aus, dass die Leak-Serie damit beendet ist: Seit dem Extended Look am 27. August ist kein neues Material mehr gekommen, und der Reiz eines geleakten Clips sinkt naturgemäß, sobald Rockstar 26 Minuten in besserer Qualität selbst veröffentlicht.
Damit ist die Frage beantwortet, die über dem ganzen Vorgang stand. Es ging nicht um Verbraucherschutz, es ging um einen Ausstieg mit Gewinn. Die Kampagne lief vom ersten Clip am 18. August bis zur Präsentation, also elf Tage.
Sollte man den Cyberleek-Coin kaufen? Davon warnt sogar die Verbraucherbewegung, auf die sich das Manifest beruft. Es gibt kein Produkt, keine Rechenschaft und keinen erkennbaren Zweck außer dem Zufluss selbst. Der Leaker verkauft mit dem Coin inzwischen die Reihenfolge und den Umfang seiner Veröffentlichungen.
Wie viel Geld hat Cyberleek mit dem Leak verdient? Nach der Analyse eines Forennutzers rund 50.000 Dollar, dazu etwa 391.000 Dollar in noch nicht verkauften Token. Bestätigt hat das niemand, die Zahlen stammen aus öffentlich einsehbaren Transaktionen.
Was kostet ein Werbeplatz in einem Leak-Video? Für das Gespräch darüber verlangt die Gruppe zwischen 162.000 und 165.000 Dollar in Kryptowährung. PLAY3.DE nennt die untere Zahl, PC Gamer und GamesRadar die obere. Was ein tatsächlich geschalteter Platz kosten würde, steht nirgends.
Ist der Protest gegen digitale Vorbestellungen echt gemeint? Die Forderungen sind konkret und werden von vielen Spielern geteilt. Dass der Coin drei Tage vor dem ersten Clip aktiv war, spricht trotzdem dagegen, dass sie der Anlass waren.
Wie stark ist der Cyberleek-Coin gestiegen? In der Anfangsphase um über 5.000 Prozent, zuletzt binnen 24 Stunden um über 1.400 Prozent. Der Marktwert liegt bei rund 22 Millionen Dollar, das Tagesvolumen oft über 112 Millionen. Die Zahlen stammen aus CoinGecko-Daten und ändern sich mit jedem neuen Clip.
Warum steht die Abstimmung über Lucias Prolog bei 99,7 Prozent? Weil Stimmen gekauft werden. Nach Auswertungen der Leaker-Seite liegen auf ja zwei Einzelzahlungen von rund 4.106 und 2.027 Dollar. Eine Gegenstimme müsste teurer sein als das.
Was verlangt Cyberleek inzwischen für die Clips? Wieder eine Marke, diesmal am Umsatz. Im Wasserzeichen vom 26. August steht die Forderung nach 250 Millionen Handelsvolumen. Die Abstimmung über Lucias Prolog lief am 26. August ab, und der Prolog erschien am Abend desselben Tages.
Hinweis: Vor Release beruhen viele Angaben auf Leaks, Trailern und Gerüchten und sind nicht offiziell bestätigt.
