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GTA 6 und der Woke-Vorwurf: Der Streit um eine Szene

Eddy Hanné31.08.2026, 14:36 Uhr|
GTA 6 und der Woke-Vorwurf: Der Streit um eine Szene
Bild: Rockstar
Teils bestätigt. Dieser Text ordnet eine laufende Community-Debatte ein. Die Aussagen über das Spiel stützen sich auf Rockstars eigenes Material und Interviews, die Kritik selbst auf YouTube-Videos und Forenbeiträge.

Der Vorwurf hängt an einer einzigen Szene: Jason und Lucia in der Wohnung, sie fragt, welches Kleid sie nehmen soll, er antwortet.

Auf einen Blick
  • Die Kritik kommt aus YouTube-Videos und Reddit-Threads, nicht aus dem Spiel selbst.
  • Rockstar hat das Beziehungssystem ausdrücklich als optional beschrieben, es lässt sich ignorieren.
  • Die Behauptung, GTA 6 sei zahmer geworden, steht gegen Werbespots über Antidepressiva und einen Stripclub-Besuch in derselben Präsentation.
  • Vier Protagonisten waren im Gespräch, gestrichen wurden sie aus einem erzählerischen Grund, nicht aus einem politischen.

In der Woche nach dem Extended Look hat sich neben der Diskussion über Jasons Stimme eine zweite aufgebaut. Sie dreht sich um die Frage, ob Rockstar mit GTA 6 politisch geworden ist, und sie läuft vor allem auf YouTube und in den GTA-Foren auf Reddit. AndyPants Gaming hat dazu ein Video veröffentlicht, das den Vorwurf am deutlichsten formuliert, und im Unterforum zu GTA VI steht die Frage seit Tagen offen im Raum.

Woran der Vorwurf hängt

Es ist eine Szene, und sie dauert eine Minute. Jason steht in der Wohnung, Lucia hält zwei Kleider hoch und fragt, welches sie nehmen soll. Er empfiehlt eines, es gefällt ihr nicht, er empfiehlt das andere, das gefällt ihr auch nicht. Danach sagt sie ihm, er solle sich beruhigen.

Aus dieser Szene liest die Kritik ein Machtverhältnis: Jason wohne in ihrer Wohnung, lasse sich herumkommandieren und sei damit nicht die Figur, die ein GTA-Hauptcharakter sein sollte. Verglichen wird mit Floyd und Debra aus GTA 5, einem Paar, das Rockstar damals eindeutig als Witz angelegt hat.

Was das Material dazu hergibt

Der Vergleich hat eine Schwachstelle, und sie ist überprüfbar. Rockstar hat das Beziehungssystem von GTA 6 ausdrücklich als freiwillig beschrieben. Händchenhalten ist ein Knopfdruck, den man nicht drücken muss, und wer die Romanze auslässt, spielt dieselbe Geschichte. Genau dieselbe Wahlfreiheit gilt für das Fahndungsprofil, das sich laut TGG komplett abschalten lässt.

Ein Spiel, das eine Haltung durchsetzen will, baut keine Aus-Schalter ein.

Dazu kommt, was in derselben Präsentation zu sehen war. Ein Werbespot über ein Antidepressivum mit dem Hinweis, Menschen zwischen 18 und 65 sollten es mit extremer Vorsicht nehmen. Ein Burger mit 30.000 Kalorien. Ein Besuch im Stripclub samt Geldscheinen auf der Bühne. Ein Influencer, der im Kofferraum eines fremden Autos live streamt. Wer daraus ein zahmes Spiel liest, hat 26 Minuten lang weggesehen.

Der Punkt, an dem die Kritik etwas trifft

Ganz ins Leere geht sie trotzdem nicht, und das gehört dazu. GTA 6 ist erkennbar langsamer und beziehungsorientierter als GTA 5. Statt drei Einzelgängern gibt es ein Paar. Dazu kommen ein Moralsystem, Statuswerte, ein Fitnessstudio und eine Partnerin, die auf euer Verhalten reagiert. Wer GTA als Spielplatz ohne Konsequenzen mag, findet hier weniger davon.

Das ist aber eine Frage des Spieldesigns und nicht der Politik. In der GameStar-Talkrunde vom 30. August diskutieren Fabian Siegismund, Julex und zwei weitere Redakteure genau diese Grenze: wie viel Realismus einem Spiel gut tut und ab wann er nur noch Arbeit ist. Das ist die Debatte, die der Extended Look wirklich ausgelöst hat.

Und die Sache mit den vier Protagonisten

Ein Argument aus der Debatte lässt sich direkt gegenprüfen. Rockstar habe die Figurenzahl reduziert, um sich auf ein Paar zu konzentrieren. Das stimmt, der Grund ist aber belegt und hat mit Politik nichts zu tun. Rob Nelson hat gegenüber IGN erklärt, dass vier spielbare Figuren im Gespräch waren und verworfen wurden, weil sich die Spielzeit je Figur zu stark verteilt hätte. PC Gamer, GamesRadar und Dexerto haben die Passage unabhängig voneinander aufgegriffen.

Wir hatten Sorge, die Zeit zu verwässern, die der Spieler mit jeder einzelnen Figur verbringt.
Rob Nelson, Co-Studiochef von Rockstar North, gegenüber IGN
We worried about diluting the amount of player time with each.

Zwei Figuren sind also eine Entscheidung über Erzähltempo. Dass eine davon eine Frau ist, war schon mit Trailer 1 im Dezember 2023 bekannt.

Unsere Einordnung

Die Präsentation, um die gestritten wird. Die Wohnungsszene liegt in den ersten Minuten.

Rockstar hat seit dem ersten Teil alles verspottet, was sich verspotten lässt, und dabei nie eine Seite verschont. Der Extended Look macht davon nichts anders. Was sich geändert hat, ist die Erzählform. Statt drei Männern, die nebeneinander herlaufen, steht da ein Paar auf der Flucht. Ob das das bessere GTA ist, entscheidet der 19. November. Eine politische Kehrtwende ist im Material nicht zu finden.

Ist GTA 6 woke? Im Material gibt es dafür keinen Beleg. Rockstar verspottet in der Präsentation Pharmawerbung, Fastfood, Influencer und die Polizei gleichermaßen. Die Debatte stützt sich auf eine einzelne Dialogszene.

Muss man die Romanze zwischen Jason und Lucia spielen? Nein. Rockstar hat das Beziehungssystem als freiwillig beschrieben. Händchenhalten und ähnliche Gesten sind Angebote, die Geschichte läuft auch ohne sie durch.

Warum hat GTA 6 nur zwei spielbare Figuren? Rob Nelson hat gegenüber IGN gesagt, dass sogar vier im Gespräch waren. Verworfen wurden sie, weil sich die Spielzeit je Figur zu stark aufgeteilt hätte.

Hinweis: Vor Release beruhen viele Angaben auf Leaks, Trailern und Gerüchten und sind nicht offiziell bestätigt.

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